Stundensatz für Handwerker: So kalkulieren Sie richtig
Im Handwerk wird der Stundensatz oft nach dem gerichtet, was „ortsüblich“ ist. Das ist gefährlich: Ihre Kosten für Fahrzeug, Werkzeug, Versicherung und Vorsorge sind andere als die des Nachbarbetriebs. Entscheidend ist, was Ihr Betrieb braucht – und wie viele Stunden Sie tatsächlich abrechnen können.
Was ein Handwerker-Stundensatz tragen muss
- Ihr Einkommen zum Leben, netto.
- Vorsorge: Kranken- und Pflegeversicherung, Altersvorsorge (im Handwerk teils Pflicht in der Rentenversicherung), Berufsunfähigkeit.
- Betriebskosten: Fahrzeug mit Leasing, Sprit und Versicherung, Werkzeug und Maschinen, Betriebshaftpflicht, Kammerbeitrag, Telefon, Software, Buchhaltung.
- Steuern auf den Gewinn und eine Rücklage für Reparaturen, Ausfälle und Neuanschaffungen.
Beispiel: Solo-Betrieb
Mit den Voreinstellungen (3.000 € netto zum Leben, 950 € Vorsorge, 2.200 € Betriebskosten im Monat, 5 Tage à 8,5 Stunden, 25 Urlaubs- und 12 Krankheitstage, 70 % abrechenbar) ergibt sich in Niedersachsen ungefähr:
| Position | Wert |
|---|---|
| Arbeitsstunden im Jahr | ca. 1.850 h |
| davon abrechenbar (70 %) | ca. 1.300 h |
| nötiger Stundensatz (netto) | ca. 71 € |
Wer heute 55 € nimmt, dem fehlen bei diesen Annahmen grob 19.000 € Umsatz im Jahr – Geld, das am Ende aus der Substanz oder der Altersvorsorge kommt.
Typische Fehler im Handwerk
- Fahrzeiten nicht berechnen. Anfahrt, Materialbeschaffung und Baustellenwechsel sind Arbeitszeit. Entweder über eine Anfahrtspauschale abrechnen oder im Stundensatz einplanen.
- Material ohne Aufschlag weitergeben. Beschaffung, Lagerung und Gewährleistung kosten Zeit und Geld; ein Materialaufschlag ist üblich.
- Angebote und Aufmaß vergessen. Nicht jedes Angebot wird zum Auftrag – die Zeit dafür muss trotzdem verdient werden.
- Gewährleistung und Nacharbeit nicht einplanen.
Häufige Fragen
Rechnet der Rechner mit Meister- oder Gesellenstunde?
Mit Ihrer eigenen Stunde als Inhaber. Für Mitarbeiterstunden gelten andere Werte (Lohn, Lohnnebenkosten, Ausfallzeiten); die beantworten wir gern per E-Mail – schreiben Sie uns.
Sind Materialkosten im Stundensatz enthalten?
Nein. Material wird üblicherweise gesondert berechnet. In den Betriebskosten stehen nur laufende Kosten wie Fahrzeug, Werkzeug und Versicherungen.
Ist das Ergebnis brutto oder netto?
Netto, ohne Umsatzsteuer. Ob Umsatzsteuer hinzukommt, hängt von Ihrer steuerlichen Situation ab – das klären Sie mit Ihrer Steuerberatung.
Andere Branche? Zum allgemeinen Stundensatz-Rechner mit 15 Tätigkeitsfeldern.